Warum

Männer heben die Grube aus.
Frauen spielen mit ihren Kindern,
sprechen von Glück, sprechen von Zuhaus,
machen die Männer zu Überwindern
dessen, was droht. Keine Angst, mein Kind,
sie graben, sie suchen, sie machen dein Glück,
sie bringen verlorene Schätze zurück,
sie trotzen dem Regen, dem Wissen, dem Wind.

Sag, erklär mir:
Warum kann man fallen.
Wozu ist die Grube tief.
Wer verliert.
Was gewinnt, der nicht fragt.
Wie soll man schlafen.

Es ist eben so, sagt die Mutter, sie weiß:
Nur aus Gruben wachsen die Häuser der Liebe,
nur aus Tiefe wächst Halt. Wer misstrauisch bliebe
vor der Grube, der wird auf höheres Geheiß
verbannt und gebannt von dem größeren Bau,
in dem Leben allein nur möglich sei.
Der Preis wird gezahlt: Glieder schwer wie Blei;
Farben schwinden und weichen der Grube Grau.

Gib mir Halt:
Sag, dass ich nie in die Grube falle.
Sag, die Tiefe hat einen zu hohen Preis.
Sag, dass niemand verliert, der nicht schläft.
Sag, fragen ist leben.
Sag, dass du dich behütest.

Warum es nicht fragt,
warum es in die Grube gefallen ist,
warum fragt es nicht

warum

(1991)